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Wie können Eltern und Pädagogen mit Kindern Hunger, Kriege und Katastrophen besprechen? Schnelle Antworten funktionieren nicht, sagt die Pädagogin Julia Potthoff.

Wenn Kinder nicht über politische Ideen nachdenken, dann werden sie sich auch als Erwachsene kaum dafür interessieren. Deshalb sei es wichtig, Kinder früh und altersgemäß an politische Themen heranzuführen. Das erklärte die deutsche Pädagogin Julia Potthoff anlässlich der Tagung "Politik aus Kindersicht" am Donnerstag in Salzburg.

Die Veranstaltung will Eltern, Lehrern und Kindergartenpädagogen Anregungen geben, wie sie Kinder angesichts einer Informations- und Bilderflut über Hunger, Kriege und Katastrophen bei politischen Fragen unterstützen können. Darüber reden statt belehren oder abwimmeln: Das ist für Potthoff der richtige Weg.

Die Veranstaltung will Eltern, Lehrern und Kindergartenpädagogen Anregungen geben, wie sie Kinder angesichts einer Informations- und Bilderflut über Hunger, Kriege und Katastrophen bei politischen Fragen unterstützen können. Darüber reden statt belehren oder abwimmeln: Das ist für Potthoff der richtige Weg.

Zuhören und Diskutieren früh zu lernen und intensiv zu pflegen, sei eine gesellschaftspolitische Aufgabe: "Demokratie lebt von der Kontroverse." Nur so könne man langfristig der Politikverdrossenheit vorbeugen. Heute diskutiere man kaum mehr kontroverse Standpunkte, alle seien harmonisch einer Meinung. "Die Auseinandersetzung ist aber für die Demokratieentwicklung enorm wichtig."

Die Tendenz, sich nicht festzulegen und nichts zu hinterfragen, sei auch bei Kindern stark da, so Potthoff. "Viele sind politisch korrekt weichgespült und getrauen sich anfangs nicht, etwas zu sagen." Biete man ihnen die entsprechenden Rahmenbedingungen, würden sie hingegen starke Standpunkte einnehmen und ihre Positionen auch verteidigen.

Auf Gespräch einlassen

Auch die Kleinsten sind tagtäglich über die Medien mit Politischem konfrontiert. Sie sehen Bilder von Katastrophen oder Kriegsschauplätzen im Fernsehen, hören Begriffe wie Terror, Globalisierung oder Emanzipation. Potthoff rät Eltern und Erziehern, die Kinder dort abzuholen, wo sie gerade stehen.

"Man muss sich auf ein Gespräch einlassen, nachfragen, was sie bewegt oder sorgt. Schnelle Antworten der Erwachsenen funktionieren nicht." Wer belehrt werde, dem werde das Thema schnell langweilig. Und das führe schon früh zu Politikverdrossenheit, ist die Pädagogin überzeugt.

aus"http://lehrer.diepresse.com/home/kindergarten/626764/Politik-aus-Kindersicht_Diskutieren-statt-abwimmeln-"

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Politische Philosophie mit Kindern am C·A·P: Der Wert der Werte

28.10.2009 · Forschungsgruppe Jugend und Europa



Die Nachwuchsphilosophen mit ihrem Werteladen. Foto: AL
"Philosophieren heißt: Nachdenken über Fragen, auf die es keine Antwort gibt", erklärt Moderatorin Julia Potthoff. Im Centrum für angewandte Politikforschung (C·A·P) werden Kinder zwischen neun und dreizehn Jahren zu den Denkern von morgen und helfen dabei, Methoden zur demokratischen Erziehung zu entwickeln.  "Wir betreiben hier wissenschaftliche Grundlagenforschung", sagt Eva Feldmann-Wojtachnia, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungsgruppe Jugend und Europa, die am C·A·P als bundes- und europaweit tätiges wissenschaftliches Beratungszentrum für die politische Bildungs- und Jugendarbeit fungiert. Zusammen mit Julia Potthoff veranstaltet das C·A·P den Kurs "Philosophieren mit Kindern". Der erste Termin des Kurses drehte sich um das Thema "Sind Werte was wert?".

Im Dienste der Forschung

Im ersten Treffen befassen sich die Kinder in erster Linie mit ihren persönlichen Werten. Dieses Treffen war als Einstieg gedacht. Als nächstes folgt die Unterscheidung zwischen persönlichen und politischen Werten. Ziel der fünfteiligen Veranstaltungsreihe ist es, die Kinder zum kreativen Denken und zu eigenständiger Urteilsbildung anzuregen. Als weiteres Ziel sollen die Methoden der Forschungsgruppe Jugend und Europa zur Förderung des Demokratieverständnisses durch Philosophieren mit Kindern getestet und weiter entwickelt werden. Alle Äußerungen der Kinder werden dabei mit großer Wertschätzung betrachtet. Falsche Antworten gibt es beim Philosophieren nicht – ebenso wenig wie dumme Fragen. Jeder Beitrag der Kinder ist wichtig und wird geschätzt. Als Einstieg ins Thema dient ein Spiel, bei dem die Kinder jeweils zu zweit ein Bild malen. Ein Kind bekommt ein Bild als Vorlage, beispielsweise ein Auto, und muss es dem Mitspieler so beschreiben, dass dieser es zeichnen kann. Der Beschreibende darf dabei aber nur Linien und Formen nennen, nicht um welches Objekt es sich handelt. "Wir sagen etwas nicht für uns, sondern wollen verstanden werden", erklärt Julia Potthoff. "Wie schaffe ich es, mich so auszudrücken, dass der andere versteht, was ich meine? Für den Anderen kann ein Begriff eine ganz andere Bedeutung haben, als für mich."
In dieser Bedeutungsdifferenz sieht Julia Potthoff eine gesellschaftliche Herausforderung, daher ist es ihr wichtig, die Sprachfähigkeit der Kinder zu fördern: "Wir müssen uns fragen: Wenn ich zum Beispiel 'Umwelt' sage, verstehen die Anderen darunter dasselbe wie ich? Es ist ein allgemeines Problem unserer multikulturellen Gesellschaft, dass wenig Austausch über Grundbegriffe stattfindet." Beim Zeichenspiel kann es daher auch schon einmal passieren, dass aus dem Haus auf der Vorlage in der Zeichnung ein Kühlschrank wird. "Mit dem Verständnis von Demokratie verhält es sich genauso", ergänzt Eva Feldmann-Wojtachina. "Jeder hat eine andere Auffassung davon."

Die persönlichen Werte

Diese Bedeutungsdifferenzen erscheinen auch in der folgenden Gesprächsrunde, wo jedes Kind zum Ausdruck bringt, was einen persönlichen Wert darstellt. Genannt werden unter anderem Freunde, Gesundheit und Freiheit. Vor allem die Familie ist den Kindern sehr wichtig. "Die Familie ist mir sehr viel wert. Sie sorgt dafür, dass es mir gut geht", erklärt der 9-jährige Maximilian, der den Begriff "Familie" mit Versorgung assoziiert, die gleichaltrige Hannah verbindet ihn in erster Linie Geborgenheit: "In der Familie ist es wichtig, dass man sich gern hat."

Bewertung der Werte

Als nächstes bekommen die Kinder die Aufgabe, die Werte, die ihnen persönlich am wichtigsten sind, auf Karten zu schreiben und in eine Rangliste zu bringen. Die meistgenannten Begriffe – Familie, Freunde, Glauben, Ehrlichkeit, Freiheit, Gesundheit und Umwelt – werden in der Schlussphase des Kurses in das Sortiment des "Werteladens" aufgenommen.



Foto: AL

Werte zu verkaufen

In diesem Laden ist die Kreativität der kleinen Philosophen gefragt. Jeder preist als Verkäufer jeweils einen Wert an, damit seine Mitspieler möglichst viel Geld dafür ausgeben. Alle Teilnehmer erhalten denselben Betrag an Spielgeld, der auf die einzelnen Werte verteilt werden soll. Wie der Betrag verteilt wird, entscheidet jedes Kind selbst. "Kaufen sie 'Freunde', denn ohne Freunde macht das Leben keinen Spaß", ruft Maximilian, der sich als erster als Verkäufer versucht. Wohl überlegt verteilen die Kinder ihr Geld auf die einzelnen Werte. Das Rennen macht "Familie", gefolgt von "Freunde" und "Glauben". "Es ist interessant, wie unterschiedlich jeder einzelne seine Werte geordnet hat", resümiert Julia Potthoff. "Umwelt war zum Beispiel bei fast allen dabei, ist aber auf den hinteren Plätzen gelandet. Daran sieht man, dass den Kindern die Menschen, also Familie und Freunde die sie mögen, am wichtigsten sind."
Die Kinder bekommen noch weitere Gelegenheiten zum Philosophieren:z.B. zum Thema "Utopia – I have a dream!" am C·A·P und "Utopia der Künstler", Philosophieren im Museum Brandhorst.(/)

aus der "Hallo"




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